Ich mach nicht mehr mit

Achtung! Jetzt wird es unbequem ehrlich. Heute lasse ich euch an etwas teilhaben, über das ich nur sehr ungern spreche. Ich erkenne ein Muster an mir. Viele natürlich, aber eines, das mich gefühlt schon mein ganzes Leben beeinflusst. Ich schaue zu viel, was andere machen. Ich beobachte den einen Lehrer, analysiere den Erfolg des anderen. So weit nicht dramatisch. Nur, es gibt die Typen, die dieses Erfolgs- und Konkurrenzdenken beflügelt und es gibt die, die eingeschüchtert sind und sich verkriechen. Ich gehöre zu Kategorie 2. Und das ist keine Eigenschaft, die ich an mir schätze. Nee, ich verstecke sie lieber vor allen. Denn ich wollte doch immer perfekt sein! Und kann man nicht doch von jedem gemocht werden?!
Aber: ich mach da jetzt nicht mehr mit. Und brauche euch als Zeugen. Nicht nur für mein persönliches Glück, sondern vor allem, weil ich in solchen Ego-Momenten das Ziel grob verfehle. Ich bin nicht mehr im Modus des Dienens, was ich als die Aufgabe eines Yogalehrers und Lifecoaches sehe, sondern verliere mich im Hanky Panky meines Egos: „Du kannst das nicht, die geben ja auch viel Geld für ihre tollen Fotos aus, die mögen dich nicht, dieser Handstand-Wahn nervt…“.
Und wenn ich mich umschaue sehe ich, dass es nicht nur mir so geht. Dieses ewige Vergleichen macht uns alle fertig. Daher kommt unser Höher-Schneller-Weiter-Denken. Fein, wenn wir es für unsere persönliche Entfaltung tun. Kräftezehrend, wenn wir nur besser sein wollen als die anderen.

Das Letzte was unsere Welt braucht ist eine weitere Branche, die Heilung und Zuflucht verspricht, in der aber manchmal hinter den Kulissen, manchmal auch sehr öffentlich mit Ellbogen gerammt wird. In der wir beurteilen und verurteilen, wie der andere etwas macht oder welchen Stil er unterrichtet - und erst diese Musik! Aber vorne herum spielen wir Love & Light. Und vergessen dabei manchmal, dass Love & Light ein innerer Prozess ist. Der oft nicht leicht ist und auch immer mal wieder bedeutet durch Scheisse & Dunkelheit zu gehen. Und das ist gut so. Denn es ist zutiefst menschlich. Wir brauchen das Drama um unser Karma aufzulösen, um alte Muster abzulegen.

Das heisst nicht, das wir alle super finden, aber, dass wir jeden so sein lassen, wie er ist, ohne ihn gemütlich in brauchbar oder nicht brauchbar abzuheften. Wir als Yogis haben uns in dem Augenblick, als wir das erste Mal einen frisch lackierten Nagel auf die Matte gesetzt haben, etwas Größerem verschrieben. Vielleicht wie eine Ehe - in guten wie in schlechten Zeiten. Unser Ziel bleibt: Einheit. Und dazu gehört es auch alle Alarmglocken schrillen zu hören, wenn wir uns von dieser Einheit entfernen. Dieses Dorthingehen, wo es weh tut, sich todesmutig durch den Spiegel in die Augen zu blicken, sich richtig top zu finden, aber dennoch immer weiter gehen auf dem Weg. In dem Wissen, da ist noch mehr. Mein Herz hat noch mehr Potential. Mehr Mitgefühl, mehr Dankbarkeit, mehr Verbundenheit. Und das ist es auch, was andere bei uns suchen. Nicht eine glatte Perfektheit, sondern jemand, der sich mutig seinen Kämpfen gestellt hat, stärker daraus hervorgegangen ist und ein paar Weglampen aufgestellt hat, so dass ein bisschen Erleuchtung für jeden sichtbar wird. Mehr Licht für alle!

Dieser Weg ist nie zu Ende. Wir können immer weiter lernen. Tagtäglich bieten sich etliche Optionen dafür. Und wenn wir aufmerksam sind, kommen wir den Marotten unseres Egos auf die Schliche. Dieser Prozess ist das Menschsein. Nicht aufhören, wo es dunkel ist, sondern schonungslos dadurch zu gehen. Nicht zu sagen, es ist immer einfach. Nicht so zu tun als hätte man nicht die ein oder andere Wunde davon getragen. Aber weiter zu gehen. Sich immer wieder auf sein Inneres einlassen. Es suchen, es zu unserer absoluten Priorität machen und ihm zu folgen. In hellen und in dunklen Zeiten. Und so diese Yogawelt wirklich zu etwas machen, was ihrem Namen gerecht wird. Heilung, Schutz, Authentizität, Offenheit, Miteinander. Keine Schubladen, sondern ehrliches Anschauen. In dem jede Individualität gelebt werden darf.

Also, das ist mein öffentlich erklärtes Ding für 2016. Ich mach da nicht mehr mit. Kein Vergleichen, kein Kleinmachen, kein Verkriechen. Wenn ihr mich trefft und ich mich z.B. beschwere, dass mich jemand nicht auf seine Veranstaltung einlädt und mich in meine Kleinheit verkriechen will, dann kneift mich. Darf ruhig ein bisschen weh tun.

Und du? Was ist dein dickes, tief begrabenes Thema? Komm ihm auf die Schliche, schau, was es mit dir macht und dann suche dir ein paar gute Freunde als Zeugen, die dich liebevoll schonungslos darauf hinweisen, wenn der sarkastische Onkel im Innern dir vorgaukelt, du seist der/die Größte aber sich in Wahrheit nur voller Angst verstecken mag.
Lade dich auf mit dem Gefühl, wie es ist, wenn du dieses Thema losgelassen hast. Was ist dann für dich möglich? Und dann lasse dich von diesem Gefühl tragen und leiten. Schritt für Schritt auf deinem Weg. Lass es leicht und schön sein. Mach jeden Tag eine Sache ganz bewusst, die du diesem Loslassen vom alten Kleinmachmuster widmest. Vielleicht ist es nur ein bewusster Atemzug am Tag. Und jeden Tag, an dem du mehr machen kannst - umso besser.

Und los! Deine Fabienne

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FAB -  für ein fabelhaft fabulöses Leben!