Labeling - Marke oder frei sein?

Unser Kopf liebt es: Menschen in eine Schublade zu stecken. Es ist eine Fähigkeit unseres Cittas, unseres meinenden Selbst. Manchmal hilft uns das. Aber in den meisten Fällen bauen wir ein Gefängnis in das wir uns und die anderen hineinstecken.
Du lernst jemanden kennen und schon spekulierst du, wie er wohl ist. Dein Kopf vergleicht ihn mit all den anderen Bekanntschaften, die du in deinem Leben schon gemacht hat und rastert nach Gemeinsamkeiten. Zack - derjenige bekommt sein Label verpasst. Hinein in die Schublade und wehe ihm, er mag da mal herauskommen.

Unser Kopf mag Strukturen. In der Vielzahl der Eindrücke, die auf uns tagtäglich einprasseln, will er effizient möglichst viel in kurzer Zeit wegsortieren. Das ist eine seiner Überlebensstrategien.
Aber unsere Schubladen können leider keinem Menschen gerecht werden. Dafür sind wir zu vielschichtig. Zu viele Facetten. Und man bedenke, den ewigen Wandel dem die Welt und auch wir unterliegen. Nichts bleibt, wie es ist.

Es ärgert uns und fasst macht es uns ein bisschen Angst, wenn jemand sich plötzlich anders verhält, als wir es von ihm erwarten. Haben wir ihn jemals richtig gekannt? Und schon bröckelt unser Vertrauen.
Das Ding ist, so sperren wir Menschen ein. Aber niemand ist dafür gemacht so zu sein, wie er schon immer war. Sachen so anzugehen, wie er es schon immer getan hat.
Mir selbst ging es lange so, wenn ich zu meinen Freundinnen, die mich seit der Grundschule kennen, in die Heimat kam: „Aber Fabi, du bist doch eher so uns so. Du warst doch immer so.“

Und es ist klar, wenn dich Menschen so lange kennen und das Leben dich in einen radikalen Wandel geführt hat, muss man sich manchmal ganz neu begegnen und kennenlernen. Nach all den Jahren. Aufregend, oder?
Zum Glück ist die Verbindung mit meinen Freundinnen so stark, dass wir uns inzwischen jeden Wandel durchgehen lassen. Vielleicht betrachten wir sogar eher mit Staunen, wohin uns das Leben katapultiert hat und wie viel möglich ist. Und es hört niemals auf. Das ist das Wunderbare.
Wir sind niemals fertig. Das Sein auf dieser Erde hat einfach zu viele Pfade, Optionen und Änderungen für uns parat.

Wenn wir uns belabeln, in eine bekannte Form giessen wollen, sperren wir andere und schlimmer noch und selbst ein. Wie oft fragen wir uns: „Kann ich das wirklich machen? Das hab ich doch noch nie gemacht. Kann ich das überhaupt? Passt das zu mir?“ Und mit meiner beruflichen Vergangenheit im Marketing weiss ich, dass ein Styleguide, der genau festlegt, was sein darf und was nicht, für eine Marke wunderbar passt. Aber für uns? Niemals! Zu eng!

Neue Facetten verwundern uns und machen und so manches Mal auch Angst. Und doch merken wir eine treibende Kraft hinter uns. Das was uns immer weiter vorantreibt ist die Neugierde.
Mein ganzes Leben schon bin ich von dieser Suche nach „Mehr“ getrieben. Das heisst nicht, das ich mein Leben öde finde. Ich bin einfach nur neugierig darauf, was noch so geht. Kein Druck anders sein zu wollen, sondern einfach nur die pure Neugier. Und manchmal gibt das Leben uns einen kleinen Schubs. Der richtige Moment im richtigen Augenblick, eine Gelegenheit, eine innere Führung die ganz klare Antworten für uns hat, was zu tun ist.
So ging es mir, als ich kürzlich in mein Spektrum aufgenommen habe, freie, spirituelle Hochzeiten anzubieten. Und Bums - da war spiritualweddings.de. Nächste Woche unterrichte ich auf einem Pressevent zum Thema und Anfang November stelle ich mich ihm Rahmen des Love Circus Bash, einer alles andere als klassischen Hochzeitsmesse, vor.
Hab ich das geplant? Nein. Musste ich mich anstrengen? Nein. Aber beharrlich sein, und mir auf diesem neuen Gebiet vertrauen. Die Disziplin dranzubleiben. Auch im Zweifel.

Manchmal ist die Zeit reif Neues an uns zu entdecken. Uns zu entwickeln, im Sinne von all die Knoten lösen, die uns abhalten. Und das ist Freisein. Dieses Entdecken. Neues an uns, neues an anderen, neues in der Welt. Einfach Offensein. Sich nichts verbieten. Wir sind keine Marken, wir sind Menschen. Kein Label ist groß genug für uns.

XXX Fabienne