Du, nur du

Es ist laut. Es ist wild. Es ist Kampf. Im Kopf.
Meditation, die Momente wo wir versuchen ganz still zu werden, führen uns oft an unsere äussersten Grenzen. Wir wünschen uns Ruhe und in unseren Gedanken geht es richtig ab. Der Geist zum wild tobenden Stier mutiert. Die Spanne der Themen reicht von To Do´s, über Schuld, den Krampf irgendetwas erreichen zu wollen, alte Themen und immer wieder die Zukunft.

Manchmal setzen wir uns zum Meditieren hin und der Friede schien nie weiter weg zu sein als in diesen Augenblicken. Meditation nimmt selten eine lineare Entwicklung sondern ist von Tag zu Tag unterschiedlich.
Und unser Geist ist unfassbar geschickt dabei uns zu verführen. Uns immer wieder abzulenken und unsere Aufmerksamkeit weg von unserer Essenz und hin zu immer neuen Verlockungen zu lenken. Manchmal verwirrt er uns auch so sehr, dass wir glauben etwas Echtes gefunden zu haben. Und einen Moment oder auch ein paar Monate oder Jahre später stellen wir fest, es war alles nur Illusion.

Unser Kopf versucht ständig zu analysieren wo das Glück liegt. In den banalsten Dingen und auch in den ganz großen. Wie oft haben wir uns schon gewünscht wir selbst und unser Leben können irgendwie anders sein? Und wir fangen an Dinge zu begehren. Wollen einen anderen Körper, den hochdotierten Job, den Ruhm von jemand anderes, das fesche Auto und manchmal glauben wir sogar das Glück bei einer Frau oder einem Mann zu finden. All das sind die Irrungen und Wirrungen des Geistes. Er liebt es uns abzulenken und dafür greift er tief in die Trickkiste. Er lässt uns immer wieder glauben, dass wir uns dem schnellen, kurzlebigen Glück widmen sollen, statt uns Santosha (der tiefen, andauernden Zufriedenheit) zuzuwenden.

Und doch, hinter all unseren Begehrlichkeiten stehen tiefe Sehnsüchte, die uns den Weg weisen können. Dazu sollten wir nicht auf der oberflächlichen Ebene des Begehrens bleiben, sondern immer tiefer gehen. Immer weiter dahinter schauen, bis kein Schleier mehr drüber liegt und wir ganz klar sehen. Manchmal ist es nicht der neue Job den wir wollen, sondern unsere ureigene Kreativität will zum Ausdruck gebracht werden. Oder nicht der neue Mann, sondern unsere Leidenschaft, die sich in uns rührt. Unsere Aufgabe ist es, diesen tiefen Sehnsüchten Ausdruck zu verleihen. Sie in unsere Leben einzuweben, so dass es wirklich unserem ureigenen Sein entspricht. Und da wir nicht starr sondern wandelbare Wesen sind, uns immer wieder frisch und neu zu betrachten. Das ist unser Pfad zur Zufriedenheit.

Und wir müssen bedenken: es gibt keinen Ausweg. Es gibt nur dich. Du hast nur dich. Mit allen Marotten, Mustern und Macken. Und noch etwas: du kannst dir nicht entkommen. Das was du mit dir hast, ist immer. Wenn wir uns ablehnen, ob im Innen oder Außen, verursacht das Schmerzen. Meist zeigt es sich durch eine ständig nagende Unzufriedenheit, selbst dann, wenn wir glauben ganz ok zu sein. Es reicht nicht. Wir müssen uns lieben bis zur kleinsten Faser. So wie wir sind. Mit allem. Gütig sein. Über und mit uns lachen können. So das alles leicht wird.

Das funktioniert nicht immer gleich gut. Es gibt Aufs uns Abs. Es ist ein bisschen wie in einer guten Ehe. Man streitet sich, findet was blöd, hat mal einen Fremd-Flirt und dennoch schwebt über all dem tiefe Liebe und Verbundenheit und man stellt die Beziehung nie in Frage.
Hören wir auf damit die Beziehung zu uns selbst in Frage zu stellen. Uns zu wünschen, wir wären irgendwie anders. Heute bist du so. Und fein. Liebe dich!

Das klingt egoistisch? Aber wie willst du friedlich im Außen sein, wenn du in dir drin ablehnend und gemein bist? Wenn du dich richtig toll mit dir gefühlt hast, bist du da jemals auf die Idee gekommen dich zu streiten? Mit uns zu gehen ist der einzige Weg, um auch das Chaos, das wir gerade in der Welt erleben, zu klären. Wenn wir in uns Frieden finden, dann haben wir den Kampf auf dem richtigen Schauplatz geführt - in mitten unseres wollenden und meinenden Selbst. Mach dich und den Frieden mit dir zu deiner absoluten Priorität und deine Wahrnehmung vom Außen wird sich verändern.

Und dazu braucht es keine komplizierten Atemübungen, Asanasequenzen oder Meditationsanleitungen, Ausbildungen und Studien. Was uns mit uns in Verbindung bringt sind die Dinge, die dich wirklich berühren. Dinge, bei denen du ein sehnsuchtsvolles Ziehen in deiner Herzgegend spürst - Musik, Tanzen, Ozeane, Sonnenauf- und Untergänge, der Sternenhimmel, Geschichten.Es geht nicht darum mehr zu machen und mehr zu erreichen, sondern leicht und easy mit ganz wenig dir ganz nahe zu kommen.

Das größte Wunder dieses Lebens ist es, sich selbst zu entdecken. Es ist die magischste Mission auf die wir gehen können. Und die Spannendste! Nichts ist so aufregend wie du. Wie die Bilder, die du in deinem Inneren aufspüren kannst, in den Augenblicken wo du ganz bei dir bist.
Lass dich davon überraschen, wie viel Fantasie und ureigene Sprache in dir liegt. Und dann folge und vertraue deinem ganz individuellen Weg.


Mit Liebe,

Fabienne