Vom Leben in der Transitphase

Wenn ein Knoten unser Leben blockiert, dann wird es richtig ungemütlich. Mit meinen Coachings trete ich immer genau in diesem Moment des Haderns in das Leben meiner Klienten. Zeiten, in denen etwas Altes nicht mehr passt, uns einengt, aber das Neue sich noch nicht wirklich zeigt. Ich nenne diese Zeiten Transitphasen. In der Transitphase treffen einen die Zweifel. Manchmal weiß man weder ein noch aus. Menschen reagieren dann recht unterschiedlich. Manchmal auch schwankend zwischen den beiden Polen Lethargie/Schockstarre und Losrennen und es schnell hinter sich haben wollen. Wie lange wir im Transit hängen, dass wissen wir allerdings nicht. Und wir können es weder hinauszögern in dem wir uns tot stellen, noch beschleunigen in dem wir ungeduldig und wie ein Huhn ohne Kopf drauf losrennen.

Erst mal müssen wir ganz ankommen in dieser Phase. Uns reinfallen lassen. Uns sehen, wie wir in diesem Augenblick sind. Nicht wie wir waren oder gerne sein würden.

Ich lerne so viel aus den Begegnungen mit meinen Klienten. Die Position des Mentors behält dabei den neutralen Blick und betrachtet das große Ganze. Das hilft, die Fäden, die sich in ein Knäuel verwickelt haben, zu enttüddern. Wo hat etwas begonnen? Wo sitzt der Knoten? Wie kann ich Raum geben, damit er sich lösen kann?

Wenn ich Menschen durch diesem Enthedderunsgprozess begleite, bin ich jedes Mal berührt von dem Vertrauen, dass mir entgegen gebracht wird. Jede Einzelne (bisher coache ich nur Frauen) teilt so offen ihre Gefühle und Gedanken und ist dabei so mutig sich selbst schonungslos anzuschauen.

Immer, wenn wir uns vertrauensvoll öffnen, wenn wir uns wirklich auf eine Situation oder eine Beziehung einlassen entsteht daraus etwas Großes! Und wirklich einlassen meint keine Bedingungen, keine Hintertüren, keine Phrasen. Nur schonungslose Ehrlichkeit und das Vertrauen, dass andere dich ertragen in deinen ganzen glitzernden aber auch lichtschluckenden Facetten. Und dann finden wir Zugang zu unserem Mut. Zu der geballten Kraft die in uns steckt.

Der Mut sich zu öffnen ist der Raum, den das Knäul braucht, um sich zu lösen.  

Denn Transitphasen sind Phasen des Wachstums. Wir dehnen uns aus und entfalten uns etwas mehr. Und mit diesem neu geschaffenen Platz können wir dann wieder agieren. Einen Schritt nach dem anderen machen. Einen Faden nach dem anderen entzerren.

Das heisst nicht, dass wir uns nie wieder verheddern. Aber wir können sehen, wann der Knoten sich zu zieht und uns reinstürzen, bevor eine Doppelschleife daraus wird.

Transitphasen sind die Kunst in der Frage zu leben. Damit sein zu können, gerade keine klare Antwort zu haben. Sich Zeit zu lassen. Sind wir durch so eine Transitphase durch, schaut man zurück. Und dann ist meistens alles ganz klar. Die Antwort da. Der nächste Schritt passé. Das Klicken im Kopf passiert. Und man fragt sich: Warum habe ich jemals gezweifelt?

Ich wünsche uns, dass du und ich uns das nächste Mal, wenn wir zwischen A und B stecken, daran erinnern. Denn der nächste Wandel kommt bestimmt. Und wenn wir uns in dieser Phase beobachten und auch in den Zeiten der tiefsten Abgründe ganz nah bei uns bleiben, dann lässt sich so viel herausfinden - über uns, den Zusammenhang aller Wesen und das Leben an sich.


Mit Liebe, Eure FAB