Atha! Atha!

Es gibt Zeiten, da werden die großen Fragen des Lebens ganz drängend. Wer bin ich? Was mache ich hier? Was ist der Sinn meines Daseins? Vielleicht rufen auch in dir gerade in der Vorweihnachtszeit und mit dem sich zum Ende neigenden Jahr diese Fragen nach Beantwortung.

Und es gibt tatsächlich Antworten darauf. Wann immer wir im Leben straucheln, Unsicherheit erfahren, nicht weiter wissen oder uns einsam und verlassen fühlen, finden die Yogis Antworten in Patanjalis Yoga Sutra. Diese heilige Schrift ist irgendwann zwischen dem 2. Jahrhundert vor und dem 4. Jahrhundert n. Ch. von einem Weisen verfasst worden (vielleicht waren es auch mehrere Verfasser. Das weiss man nicht so genau.).

Dieser Leitfaden ist unser Erste-Hilfe-SOS-Anker. Denn auch wenn man jetzt meinen könnte, dass so ein alter Text doch keine Antworten auf die Fragen unserer komplexen, hochtechnisierten, modernen Welt haben kann, so liegt in den Yoga Sutras etwas Magisches. Denn sie wachsen mit der Welt, wachsen mit den Menschen. So kurz und knapp gefasst, dass sie viel Spielraum für Interpretation aber eben auch für Weiterentwicklung lassen. So ist dieser Text über all die Jahrhunderte mit den Menschen gewachsen. Seine Prinzipen finden sich in nahezu all der Literatur zu den Themen Psychologie, Achtsamkeit, Selbstfindung etc.

Und das Gute ist, es sind zwar 196 Leitsätze aufgeführt, aber es reicht wenn wir nur den Ersten richtig verstehen. Soweit die gute Nachricht. Aber: allein dieses erste Sutra ist in seiner Knappheit so komplex, dass es braucht, bis wir es wirklich verinnerlicht haben. Also zum Glück gibt es noch die anderen 195 Verse, mit denen Patanjali uns weitere Erklärungen liefert.

Aber was sagt uns dieses erste Sutra, das schon alle Antworten in sich trägt?

Es heisst: atha yoganusasanam. Einfach gesagt: JETZT!

Alles beginnt jetzt. Du hast alles was du brauchst. Jetzt ist alles da. Starte jetzt. Jetzt erfährst du alles. Alles ist da. Du bist genau da, wo du sein sollst. Deine Erfahrung die du jetzt hast ist alles, was du brauchst.

PAFF! Das klingt zu einfach, als das es wahr sein könnte, oder? Wir müssen doch erst noch ein besserer Mensch werden, diese und jene Ausbildung machen, ordentlich Pranayama lernen, mehr Geld verdienen, um uns endlich frei zu fühlen. Was? Meditieren tust du auch nicht regelmäßig?! Herrje!

Nix müssen wir. Nichts werden, sondern sein. So wie wir sind. Hier und jetzt. Und wenn wir ganz im Moment sind, dann kehrt Ruhe ein. Und wir können erkennen, was wahr ist. Und in der Wahrheit bekommen wir Antworten auf diese großen Lebensfragen, die uns umtreiben.

Das Jetzt ist der Schlüssel. Also, worauf warten wir eigentlich?

Wenn es einfach ist, verlieren wir oft den Faden. Denn unser Gehirn liebt es kompliziert. Und immer wieder neigen unsere Gedanken dazu, uns in irgendeinem Konstrukt einzuzwängen.

Aus unseren wiederkehrenden Gedanken haben wir Verhaltensmuster entwickelt, die es uns schwer machen, unsere Freiheit zu erkennen. Wie in der Geschichte vom angeketteten Elefanten von Jorge Bucay (die ganze Geschichte findest du weiter unten).

Und es ist ok. Aber wir sollten uns immer daran erinnern, dass wir einfach loslaufen können. Das wir nicht frei werden müssen, sondern es sind. Jetzt.

Mit Liebe,

Deine Fab