SCHULDIG! Warum ich verfolgt werde

Es gibt Phasen, da haut einem das Leben ein Thema immer wieder so wuchtig um die Ohren, dass man gar nicht anders kann, als sich damit auseinander zu setzen. Bei mir geht es gerade um Schuld. Eher gesagt, sich schuldig fühlen.

Und als im katholischen Glauben Erzogene, bin ich für dieses Thema sehr empfänglich. Sind wir dort ja schließlich von Beginn an Sünder und bleiben es wahrscheinlich auch den Rest unseres Lebens. Bei mir geht es soweit, dass, wenn ich irgendwo die Polizei sehe, ich mich sofort schlecht fühle, weil ich irgendetwas bestimmt falsch gemacht habe.

Und gerade ist dieses Thema so gigantisch groß in seiner Präsenz in meinem Leben. Erst heute wieder, sagt mir doch ein junger Typ, dass mein Hund einen Haufen gemacht hat, und es total cool wäre, wenn ich den aufhebe. Mach ich eh. Aber ich frage mich wirklich, wie weit es mit uns gekommen ist, dass das ein zentrales Thema für Menschen um die 30 geworden ist?! Echt jetzt? Kot? Gibt es da nicht eine ganze Welt, die es gerade zu retten gibt? Aber es fängt ja immer im Kleinen an - also, vielleicht ist Pooh-Gate ja ein wichtiger erster Schritt. Und ihr Hundebesitzer kennt das vielleicht: euer Hund tapert in den hinterletzten Winkel eines dichten Busches um dort in Ruhe Big Business zu machen und ihr überlegt wirklich, wie ihr hinterher kriechen könnt um die Hinterlassenschaft in einer Plastiktüte - die bitte sachkundig zuzuknoten ist - entsorgen könnt.
Und dann fühlt man sich schlecht, weil man in Zeiten von #noplastic und #zerowaste etwas Natürliches in etwas packt, was über Jahrhunderte nicht von der Natur abgebaut werden kann.
Anderes Szenario dazu: Im Oktober letzten Jahres war ich mit meiner Freundin auf einer Alphütte. Ein offensichtlicher Stadtmensch fragt den Wirt, wo er denn die Hundetüte mit Inhalt entsorgen könne. Der Alpler blafft den Mann an, dass Hundesch…. Natur sei und er gucken soll, wo er mit seinem Müll bleibt. Puh! Was ist denn jetzt richtig?

Höchste Eskalationsstufe beim Thema Schuld, erlebe ich in einem Yogatraining, das ich gerade mache. Da steht in den Büchern tatsächlich, dass ich auf ewig verfolgt werde - also, dass quasi ein Fluch auf mir lasten wird - wenn ich die Lehren und Methoden verändere. Und das schon bei Minimalstverstößen wie Kleidung in falscher Farbe und musikalischen Ausreißern.
Ich sach mal so - die Jagd ist eröffnet ;)

Unsere Moral ist immer gefärbt von unserer Erziehung, einer Gesellschaftsethik, die uns suggeriert wird, Medien, Meinungen in unserem Umfeld oder bei uns Yogis eben auch den Dogmen einer Methode. Die Yogis nennen das Maya - den Schleier der Illusion. Und auch hier ist keine Schuld zu finden, denn die Menschen glauben wirklich fest daran, dass es so am besten ist. Auch für jeden Einzelnen.
Nur die wirklich echte eine Wahrheit, die für jeden und zu allen Zeiten gilt, gibt es m.E. nicht.
(Mal abgesehen von Liebe. Die geht natürlich immer.)

Aber Schuld ist ein super Mittel um Menschen klein zu halten. Manchmal versetzt uns die Angst, davor etwas falsch zu machen, in eine Art Schockstarre: lieber keine als eine falsche Bewegung.
Ich hatte mal einen Chef, bei dem hatte Schuldzuweisung richtig Methode. So hat er sich alle gefügig gehalten. Aber Menschen die so agieren, haben eigentlich ganz viel Angst davor an Macht zu verlieren und das sich ihr Gefolge in eine rebellisch-unkontrollierbare Bewegung verwandelt. Sei es im Großen auf unsere Gesellschaft und ihre Regeln bezogen oder eben im Mikrokosmos einer Firma oder gar einer Beziehung.  

Und irgendwie bekommen sie uns auch immer wieder - tragen wir doch alle die Hoffnung in uns, dass wir doch von jedem gemocht werden könnten, wenn wir nur alles richtig machen. Nur das es universal-richtig einfach nicht gibt. Und hier beisst sich der Hund…die Katze… in den Schwanz.

Also, besser doch einfach wir sein. Nicht einer Massenmeinung folgen, sondern immer wieder den Mut haben zu hinterfragen. Das Risiko eingehen nicht von allen gemocht zu werden, aber dafür sich selbst mögen. Authentisch sein anstatt etwas zu tun, was sich im Innersten falsch anfühlt. Auch, wenn andere einen dann für verrückt halten. Denn was heisst das schon? Es bedeutet einfach nur ver-rückt von der Norm zu sein. Nehm` ich in kauf! Get your freak on!

Mit Liebe, Eure Fab